Eisenach-Chemnitz

Gößnitz wurde erstmalig 1253 in einer Urkunde erwähnt. Der Mitsiegler des Dokumentes war ein Tuto von Gößnitz. Der Name Gößnitz ist sorbischen Ursprunges, so dass auch eine sorbische Dorfgründung zu vermuten ist. Die frühe Existenz einer Burg ist wahrscheinlich.

1379 werden zwei Gasthöfe beurkundet. 1413 gibt es Nachweise über eine „Vorwerk mit anderen Gütern“. Damals schrieb man „goßenicz“. Große und kleine Mühlen, die am Meerchen gelegen war, werden erwähnt. 1494 weihte man die heutige Kirche ein, sie wurde über eine kleine Holzkirche gebaut. 1522 starb der letzte katholische Pfarrer. Schon 1488 werden dem Dorf Gößnitz während eines Rügegerichtes die seit „Menschengedenken“ bestehenden Privilegien bestätigt. Das Rügegerichtsbuch beginnt 1519. Im gleichen Jahr verkaufte man den Rittersitz an das St. Georgenstift in Altenburg. Wichtig für die Entwicklung des Dorfes sind auch die Regelungen der Erbgerichtsordnung von 1570.

1672 wurde Gößnitz zum Marktfleckchen erhoben und 1718 zur Stadt. Die junge Stadt brauchte einen Repräsentationsbau, und so plante man ab 1732 am Markt den Bau eines Tuchhauses. Die Regierung in Altenburg lehnte das Projekt ab. Das wertvolle Aktenstück enthält viele Hinweise mit dem Namen damals lebender Bürger. In einer erstmaligen Karte vom Markt ist die örtliche Aufstellung der Jahrmarktstände nach Gewerken und Händlern eingezeichnet und die Kirchgasse als Straße nach Meerane angegeben. Gößnitz blieb nach der Verleihung des Stadtrechtes de facto ein Dorf.

Es gab keinen Bürgermeister, sondern nur einen herzoglichen Stadtrichter. Exekutive und Legislative waren bis 1929 nicht getrennt. Argwöhnisch wachten Altenburg und Schmölln darüber, dass die Stadt keine zusätzlichen Privilegien erhielt. 1727 gründete sich die erste Innung. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts blühte besonders das Weberhandwerk. Die Bürger gaben sich als Teillösung verschiedener Stadtordnungen, z.B. eine Gassenordnung. 1876 endlich, nach 158 Jahren Stadtrecht, konnte der erste Bürgermeister gewählt werden. 1910 schrieb A. E. Glasewald die „Chronik der Stadt Gößnitz“ als heute wichtiges Nachschlagewerk. Die Kriegsjahre 1914 – 1918, Nachkriegszeit und Inflationsjahre, waren für Gößnitz mit dem Niedergang der Industrie verbunden. 1934 wurde der Meerchenlauf verändert. Ab Kriegsbeginn 1939 erfolgte wiederum ein erneuter Rückgang des Gewerbes. Der nach dem Krieg vorhandene Aufbauwille der Bevölkerung, z.B. Badbau, wurde bald wieder gedrosselt. Im Juni 1953 streikten Angehörige örtlicher Betriebe. Bald folgten die Zwangskollektivierung der Landwirtschaften und 1972 die Enteignung der privaten Betriebe.

Im November 1989 fanden sich viele Gößnitzer zu Demonstrationen zusammen oder nahmen an den Montagsdemonstrationen in Leipzig gegen das kommunistische Regime teil. Nach 57 Jahren Diktatur in Ostdeutschland, konnte ab 1990 wieder ein frei gewählter Stadtrat in Gößnitz die Geschicke leiten. Es wird sicherlich noch viele Jahre dauern, bis das neuerliche Wirtschaftstief überwunden sein wird. Die Anfänge sind gemacht!